Was ist ein Lüftungskonzept und wozu dient es?

Durch die hohen Anforderungen  im  Bauwesen an die  Dichtheit der Gebäudehülle ist eine ausreichende Belüftung, gerade im Neubau, kaum noch gegeben. Eine unzureichende Belüftung kann gravierende Folgen für den Nutzer, aber auch für das Gebäude selbst haben. Die Belüftung soll sicherstellen das ein ausreichender Abtransport von Feuchte, Kohlendioxid und Schadstoffen aus den Wohnraum gewährleistet wird. Woher kommt die Belastung der Raumluft? Die Belastung erfolgt durch den Nutzer selbst. Er atmet und schwitzt. Dadurch belastet er die Raumluft mit Feuchte. Aber auch das Gebäude selbst, gerade bei Neubauten, kann Feuchte an die Raumluft abgeben. Wird diese nicht abgeführt, kann es zur Schimmelbildung kommen. Schadstoffe werden oft durch Farben, Lacke und Bodenbelege in die Raumluft emittiert. Auch Schimmel erhöht die Schadstoffkonzentration. Eine zu hohe Schadstoffkonzentration kann erhebliche gesundheitliche Folgen haben. Weiterhin wird durch die mangelnde Infiltration von Außenluft die Funktion von Abluftanlagen, z.B. Küchenabluft, eingeschränkt. Eine ausreichende Nachströmung der Außenluft ist dann nur mit geöffnetem Fenster gegeben. Bei innenliegenden Bädern, mit einer mechanischen Entlüftung, ist es meist noch gravierender. Der Abtransport der belasteten Luft erfolgt nur ungenügend und in einigen Fällen erfolgt die Nachströmung ungewollt über die Geruchsverschlüsse der Duschen was zu einer Geruchsbelästigung führt. Durch das Lüftungskonzept nach DIN 1946-6 sollen solche Dinge vermieden werden. Seit 2009 ist  daher im Neubau und bei einer wesentlichen Gebäudesanierung ein Lüftungskonzept zu erstellen. Dabei ist für jede Wohneinheit ein separates Lüftungskonzept zu erstellen. Bei einem Einfamilienhaus ist natürlich das Einfamilienhaus die Wohneinheit. Ist das Haus aber in zwei Wohnungen unterteilt, dann ist für jede Wohnung gesondert ein Lüftungskonzept auszuweisen.

Das Konzept

Grundsätzlich unterscheidet die DIN 1946-6 vier Lüftungsstufen 1.   Die Lüftung zum Feuchteschutz 2.   Die reduzierte Lüftung 3.   Die Nennlüftung 4.   Die Intensivlüftung

Die Lüftung zum Feuchteschutz (FL):

Diese Lüftungsart stellt das absolute Mindestmaß der Gebäude- bzw. Wohnraumlüftung da. Diese Lüftungsstufe ist vom Nutzer unabhängig zu gewährleisten. Das bedeutet, dass diese Lüftungsstufe auch bei dauerhaft geschlossenen Fenstern gewährleistet sein muss. Diese Lüftungsstufe dient vornehmlich dem Schutz des Bauwerkes, die zeitweilige Abwesenheit des Nutzers wird dabei vorausgesetzt. Ist der Nutzer anwesend, muss dieser aktiv Lüften um eine ausreichende hygienische Luftqualität zu erreichen.

Die reduzierte Lüftung (RL):

Diese Lüftungsstufe soll die hygienischen Mindestanforderungen für die Gesundheit und den Feuchteschutz für das Bauwerk bei teilweise reduzierten Feuchte- und Schadstoffbelastung sicherstellen. Geeignet ist die Stufe z.B. für die Nacht, wenn der Nutzer inaktiv ist und schläft oder bei zeitweiliger Abwesenheit. Diese Lüftungstufe ist weitgehend vom Nutzer unabhängig sicherzustellen.

Die Nennlüftung (NL):

Die Nennlüftung ist der Normalfall und soll bei normaler Nutzung die hygienischen Anforderungen und den Feuchteschutz gewährleiten.

Die Intensivlüftung (IL):

Die Intensivlüftung dient zum Abbau von Lastspitzen, z.B. Kochen und Duschen. Bevor das Lüftungskonzept erstellt wird, stellt sich erst einmal die Frage, welche Lüftungsstufe überhaupt erreicht werden soll. Soll nur der Feuchteschutz erreicht werden, wird in einem ersten Schritt geprüft, ob der Feuchteschutz durch eine ausreichende Infiltration von Außenluft erreicht wird. Ob der Feuchteschutz erreicht wird, ist abhängig vom Wärmeschutz des Gebäudes, sowie seiner geografischen Lage (windstarkes oder windschwaches Gebiet). Wird der Feuchteschutz erreicht, dann ist das Lüftungskonzept an dieser Stelle bereits abgeschlossen. Wird er nicht erreicht, muss in einem zweiten Schritt der notwendige zusätzliche Außenluftvolumenstrom für die einzelnen Räume bestimmt und ausgewiesen werden. Damit wäre das Lüftungskonzept erstellt. Zur Umsetzung des Konzeptes sind unterschiedliche Systeme auf dem Markt erhältlich. Innenliegende Räume, z.B. Bäder, müssen gesondert berücksichtigt werden. Zum besseren Verständnis sollten die Volumenströme in eine Zeichnung übertragen werden. Wenn mindestens die Nennlüftung erreicht werden soll, ist in der Regel bereits eine Planung notwendig. In den meisten Fällen wird dort eine mechanische Lüftung notwendig sein. Lüftungskonzept Prüfung FeuchteschutzLüftungskonzept Auslegung VolumenstromLüftungskonzept Darstellung Volumenströme Bild links: Prüfung ob der Feuchteschutz gewährleistet ist, rechts: raumweises Auslegen der zusätzlichen Außenluftvolumenströme, unten: Darstellung der Volumenströme Wird nur die Lüftung zum Feuchteschutz gewährleistet und wird die Wohnung oder das Gebäude vermietet, ist eine umfassende Aufklärung des Nutzers über das aktive Lüften notwendig. Die Auslegung auf den Feuchteschutz basiert meistens auf dem System der freien Lüftung/Querlüftung. Diese Art der Lüftung ist wetterabhängig und es ist auch mehr oder weniger Zufall, ob von Schlafzimmer zur Küche gelüftet wird oder umgekehrt. Eine Geruchsbelästigung kann somit in verstärktem Maße auftreten. Der kontrollierte Abzug von belasteter Raumluft lässt sich sicher nur mit einer mechanischen Lüftungsanlage erreichen. Hier können die Zu- und Ablufträume eindeutig bestimmt werden und die Volumenströme werden definiert geführt. Aus energetischer Sicht sollte die Lüftungsanlage immer eine Wärmerückgewinnung enthalten. Die Wärmerückgewinnung spielt gerade im hochgedämmten Neubau eine gewichtige Rolle. Durch eine Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung ist im Neubau eine Brennstoffeinsparung von ca. 30% möglich. Je besser das Gebäude isoliert ist, umso höher ist der prozentuale Anteil der Einsparung durch die Wärmerückgewinnung.   Auszug aus einer Lüftungsplanung Dieser Seite erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit und Richtigkeit der getroffenen Aussagen!
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11/2018
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